Der Junge Wirtschaftsbeirat in Hong Kong – 12.2016

Erstmals organisierte der Junge Wirtschaftsrat Hessen und Baden-Württemberg sowie der Junge Wirtschaftsbeirat Bayern eine gemeinsame Delegationsreise nach Hong Kong. Ziel war es, den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Austausch.

Deutschland ist innerhalb der EU der wichtigste Handelspartner Hongkongs. Gleichzeitig ist Hong Kong die größte Quelle ausländischer Direktinvestitionen in China. Hong Kong ist zudem eines der weltweit bedeutendsten Finanzzentren. Über 70 der 100 weltweit größten Banken sind in Hong Kong tätig; mit 199 zugelassenen Banken und 64 Vertretungsbüros hat es eine der größten Angebotsdichten im Finanzbereich weltweit. Hong Kong ist ferner das zweitgrößte Private Equity Zentrum in Asien.

 

Den Auftakt der Delegationsreise bildete eine Veranstaltung im Büro von CMS in Hong Kong, im Rahmen derer die Bedeutung von Hong Kong als Tor zu ganz Asien hervorgehoben wurde. Auch wurde die internationale Bedeutung Hong Kongs wegen des dort vorherrschenden stabilen und verlässlichen Rechtsrahmens deutlich.

Traditionell, nämlich zum 10. Mal in Folge fand das zweitägige Asian Financial Forum (AFF) statt. Die Jubiliäumsveranstaltung stand unter dem Motto „Driving Change, Innovation and Connectivity“ und bildete den Auftakt einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, die 2017 den 20. Jahrestag der Gründung der Sonderverwaltungszone Hongkong würdigen. Auf der Agenda des Forums standen unter anderem Themen wie die Auswirkungen des Brexits und eines starken US-Dollars, die Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump sowie die Aufrechterhaltung der globalen Finanzstabilität in einer Zeit politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit.

Insgesamt 29 Delegationsteilnehmer folgten dem Aufruf des Hong Kong Trade Development Council (HKDTC) und hatten die spannende Möglichkeit, mit internationalen Entscheidern aus über 40 Ländern und insgesamt rund weiteren 2.800 Teilnehmern in Kontakt zu treten. Auch Themen, für die die junge Generation im Wirtschaftsbeirat eintritt, wie etwa the Future of Fintech, die Sicherheit in dieser neuen Welt durch Cyber Security oder die Megatrends in Health and Technology standen im Fokus der Veranstaltung.

Michael Ries, Marketing Manager für das HKTDC in Frankfurt, zieht ein positives Fazit: “Als Handelsförderer freuen wir uns über die starke Präsenz des JWR, der mit 29 Teilnehmern die größte Gruppe aus der DACH-Region bildete beim diesjährigen AFF und sind überzeugt, dass es viele Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit zwischen Unternehmen aus Deutschland und Hong Kong gibt.“

Rund um das AFF als Leuchtturmveranstaltung fanden im Rahmen der sog. International Financial Week eine Vielzahl von weiteren Veranstaltungen im Bereich Technology, Banking und Finance statt. So zum Beispiel bei Cyberport, einem Cluster für junge Technologieunternehmen im Bereich Banking und Finance. Dort stellten sich junge sog. Fintechs dem Urteil gestandener Banker. Hierzu zählten neben unserer Delegation auch Vertreter des Rhein Main Finance e.V., die fokussiert auf das Thema Fintech nach Hong Kong gekommen waren. Cyberport ist eine in Hong Kong ansässige sog. creative digital community mit der Vision „to build a legacy of entrepreneurial excellence”. Aktuell sind bereits 800 Unternehmen und Startups auf dem 35.000 qm großen Gelände angesiedelt.

Austausch mit politischen Entscheidungsträgern

Hong Kong ist nicht nur wirtschaftlich und unternehmerisch interessant, auch die politische Komponente bietet Stoff für angeregte Diskussionen. Der Besuch der Delegation bei dem deutschen Vize-Generalkonsul in Hong Kong lieferte entscheidende Impulse für einen informierten Dialog. Karsten Tietz teilte seine jahrelangen Erkenntnisse und Erfahrungen, auch ganz praktischer Natur, und diskutierte über die Eindrücke‚ von außen. Weit über die Frage hinaus, ob Hong Kong China oder China Hong Kong wird beleuchteten die jungen Unternehmer und Führungskräfte der Delegation wirtschaftliche Zukunftsperspektiven und die Erwartungshaltung junger Chinesen an die Gesellschaft. Hervorzuheben erscheint die Erkenntnis, dass im Unterschied zu europäischen Staaten Planungshorizonte meist nur bis zur nächsten überregionalen Wahl reichen, während der Planungshorizont in China strategisch bis zu 100 Jahre reicht.

Das Goethe Institut in Hongkong, das nicht nur die Räumlichkeiten für das Gespräch mit Herrn Tietz zur Verfügung stellte, ermöglichte auch einen Einblick in die lokale Arbeit und die sprachliche und kulturelle Repräsentanz der Bundesrepublik, was einen Runden Abschluss bot.

Fazit

In Zeiten der zunehmenden Technologisierung der Welt werden die Grenzen zwischen einzelnen Wirtschaften und Völkern immer fließender, Innovationen grenzübergreifend, Kommunikation und der Austausch von Informationen einfacher. Der Perspektivenwechsel und der Blick auf die Vorteile der jeweilig anderen Kultur eröffnen neue wirtschaftliche Potentiale. Die Bedeutung dieses Interkulturellen Austauschs und dessen auch politische Relevanz unterstreicht die außergewöhnliche Unterstützung, die uns ideell in Gesprächen, wie auch bereits im Vorfeld der Reise zu Teil wurde.

Die Teilnehmer der Delegationsreise gehen mit vielen neuen gewonnen Eindrücken, Denkanstößen und Kontakten zurück in ihren Arbeitsalltag.

Für den Vorstand des Jungen Wirtschaftsbeirats

Dr. Marc Tenbücken, 27.2.2017